Das graue Buch


Essay
Originaltitel: Den grå boken
Stockholm: Norstedts 1994, 244 Seiten
Umschlag: Anton Seidl




Das graue Buch erschafft sich sein eigenes Genre. Geschrieben mit Bleistift liefert es Beispiele dafür, wie eigenartig Literatur sein kann. Zu gleichen Teilen Erfindung und Auslegung enthält das Buch einen mit der Zeit immer eigensinnigeren Essay über „Grauzonen“ in der „grauen Literatur“, sowie deren Verhältnis zu den vier Elementen. Eigenmächtig entfernt es sich allerdings von der Tradition und so wird in seiner Darstellung Wasser stattdessen zu Tränen, Feuer zu Rauch, Erde zu Körnigkeit und die Luft zu Wolken.
      Was das Buch beschreibt, lebt jedoch unter ständiger Bedrohung. Die sterblichen Überreste des Bleistifts können jederzeit ausgewischt werden; im Reich der Radierungen lebt das Gesagte in der Gestalt von Spukgestalten weiter, gezeichnet wie auf die Innenseite von Lidern. Diese Fantome scheinen mehr und mehr die Darstellung heimzusuchen, die eine fantastische Prägung annimmt. Immer mehr lässt sich Das graue Buch wie eine als Spukgeschichte geschriebene Poetik lesen, und am Ende herrscht Ungewissheit darüber, ob es nicht von einer anderen, unsichtbareren Hand verfasst wird, die über das Gesagte mit dem Bedüfnis des Sterbenden bestimmt, die Scherben eines entfliehenden Lebens zu sammeln.