
Das graue Buch erschafft sich sein eigenes Genre. Geschrieben
mit Bleistift liefert es Beispiele dafür, wie eigenartig
Literatur sein kann. Zu gleichen Teilen Erfindung und Auslegung
enthält das Buch einen mit der Zeit immer eigensinnigeren
Essay über „Grauzonen“ in der „grauen Literatur“,
sowie deren Verhältnis zu den vier Elementen. Eigenmächtig
entfernt es sich allerdings von der Tradition und so wird in seiner
Darstellung Wasser stattdessen zu Tränen, Feuer zu Rauch,
Erde zu Körnigkeit und die Luft zu Wolken.
Was das Buch beschreibt, lebt
jedoch unter ständiger Bedrohung. Die sterblichen Überreste
des Bleistifts können jederzeit ausgewischt werden; im Reich
der Radierungen lebt das Gesagte in der Gestalt von Spukgestalten
weiter, gezeichnet wie auf die Innenseite von Lidern. Diese Fantome
scheinen mehr und mehr die Darstellung heimzusuchen, die eine
fantastische Prägung annimmt. Immer mehr lässt sich
Das graue Buch wie eine als Spukgeschichte geschriebene
Poetik lesen, und am Ende herrscht Ungewissheit darüber,
ob es nicht von einer anderen, unsichtbareren Hand verfasst wird,
die über das Gesagte mit dem Bedüfnis des Sterbenden
bestimmt, die Scherben eines entfliehenden Lebens zu sammeln.
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